Egal warum – Hauptsache Sport

Eines meiner Anliegen ist es, dass meine Schüler:innen die Freude am Sport entdecken. Und wenn diese nicht vorhanden ist, lohnt es sich, das «Warum» zu ergründen.

Neulich erklärte ich einer fünften Klasse den Fitnesstest: «Beim nächsten Posten müssen 500 m gerudert werden.» Darauf fragte eine Schülerin direkt: «Wie viele Kalorien werden bei dieser Übung verbrannt?»

Die Frage machte mich stutzig.

Meinen Schüler:innen lege ich immer wieder nahe: «Gebt beim Fitnesstest Vollgas. Es geht dabei nicht in erster Linie darum, einen guten Wert auf der Notenskala zu erreichen, sondern um euer Herz und eure Muskeln zu fordern! Sport dient der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.»

Aber mit dieser Argumentation treffe ich nicht das Interesse aller meiner Schüler:innen. Manche wollen nämlich wissen, wie viele Kalorien sie bei einer Übung verbrennen. Vielleicht sind sie in ihrer Freizeit im Fitnessstudio und arbeiten auf ein bestimmtes Ziel hin. Ebenso gibt es diejenigen, die motiviert sind, eine bestimmte Note zu erreichen oder im Vergleich zu der Klasse als Beste:r abzuschliessen.

Es gibt viele verschiedene Motive, warum Menschen Sport treiben – insbesondere im Freizeit- und Gesundheitssport, Leistungssport einmal ausgenommen.

In einer Studie nach Sudeck et al. (2015) wurden die individuellen Motive für sportliche Aktivität als unterschiedliche Sporttypen zusammengefasst. Ihr Anliegen: Menschen sollen sich ihrer Sportmotive bewusst werden, damit sie dann auch die passende Sportart finden.

Die ausführlichen Beschreibungen der von ihnen definierten neun Sporttypen können gerne in der Studie selbst nachgelesen werden. Ich stelle hier drei Sporttypen am Beispiel der Fachschaft Sport vor.

Hat jemand schon mal gegen Nicolai Muff oder Lukas Stähli einen Badminton-Match gespielt oder Michael Nünlist mit seinen Kindern Tischtennis spielen gesehen? Wer beobachtet, mit welchem Ehrgeiz und Eifer die drei KUE-Sportlehrer sich ins Spiel stürzen, hat ein lebendiges Beispiel dieses Sporttyps vor Augen: die «kontaktfreudigen Sportler:innen». Personen, welche Zeichen dieses Typs aufweisen, lieben es, mit anderen Menschen gemeinsam oder gegeneinander Sport zu treiben und sich miteinander zu messen.

Bei mir hingegen ist das Motiv des Wettkampfs schwach ausgeprägt. Beim Joggen kann es schon sein, dass ich am Schluss vor der Zielgeraden nochmals Vollgas gebe, um meinen Puls in die Höhe zu treiben, dies aber nicht primär, um meine Mitläufer:innen abzuhängen (auch wenn das ein schöner Nebeneffekt wäre), sondern in erster Linie, um mein Herz zu trainieren.

Ich selbst finde mich in zwei verschiedenen Clustern der Studie wieder. Zum einen liebe ich das Gefühl, das Sport und Bewegung in mir auslösen. Ich liebe es, beim Tanzen die Musik in meinem Körper zu spüren oder beim Skilanglauf in den Flow zu kommen und durch die verschneite Landschaft zu gleiten. Ebenso suche ich im Sport, und oft damit verbunden in der Natur, Entspannung und Erholung. Somit zeige ich Motive zweier Typen nach der Studie von Sudeck et al. (2015): die «Aktiv-Erholerin» und die «figurbewusste Ästhetin».

Allerdings können Personen natürlich auch Motive unterschiedlicher Typen aufweisen. So meine Fachschaftskollegin Romy Wüst: «Ich bin jeder Typ und doch auch keiner. Und das ist genau das Schöne am Sport, dass er so viele Facetten und Formen hat.»

Für mich als Sportlehrerin ist es mein Ziel, meine Schüler:innen für das Sporttreiben zu begeistern. Dazu muss ich ihre unterschiedlichen Motive und Typen ansprechen. Mit meiner Argumentation, dass Sport die Herz-Kreislauf-Gesundheit verbessert, treffe ich nicht alle Schüler:innen. Je nach Motiv der Schüler:innen müsste ich also eine andere Begründung nennen, warum sich Fitnesstraining lohnt.

Zippora Bulliard, Sportlerin an der KUE

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